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Kann Liebe soziale Schranken überwinden? Der neue Roman von Ruth-Maria Thomas: „Die zweitgrößte Liebe“

Ein in mehrerlei Hinsicht bemerkenswertes Buch: „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas. Eine junge Frau, Michelle, ist mit ihrem Schmuckladen in einer ostdeutschen Kleinstadt in der Pandemiezeit pleite gegangen. Die Mutter ist früh gestorben, der jüngere Bruder braucht auch Unterstützung, es gibt kein familiäres Sicherheitsnetz. Hoch verschuldet flüchtet sie in die Großstadt Hamburg und arbeitet in einem Luxus-Hotel. Unter wenig aussichtsreichen Bedingungen schlägt sie sich eher schlecht als recht – aber mit einer gewissen Chuspe – durchs Leben. Im Hotel lernt Michelle Henry kennen, einen gutaussehenden Mann, der einer ganz anderen Welt entstammt. Die beiden verlieben sich. Es ist für beide die ganz große Liebe mit ganz viel Leidenschaft.
Wie ist das so, eine Liebe über gesellschaftliche Schranken hinweg in einer Gesellschaft, wie sie heute ist?
Ruth-Maria Thomas erzählt von zwei Protagonisten, die jeweils beide ihre nicht ganz deckungsgleichen Sehnsüchte und Ängste haben. Passenderweise hat Henry in seinem wohlsortierten Bücherschrank ein Buch des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, der uns schon bei Annie Ernaux und Édouard Louis begegnet ist und der über die feinen Abgründe zwischen den gesellschaftlichen Schichten geschrieben hat. In diesem psychologisch sehr intelligent erzählten Buch von Ruth-Maria Thomas geht es aber nicht nur um arm und reich, sondern auch um die Widersprüche zwischen Stadt und Land, zwischen Ost- und Westdeutschland und letztlich zwischen Frau und Mann.
Ganz große Empfehlung!

Ruth-Maria Thomas: „Die zweitgrößte Liebe“
dtv, 304 Seiten, 24,-
Ansehen im Onlineshop

Ebenfalls sehr zu empfehlen das Romandebüt von Ruth-Maria Thomas:
„Die schönste Version“ bei Rowohlt als Taschenbuch
Ansehen im Onlineshop

Beide Bücher sind im Laden und im Webshop verfügbar.